Basin ve Ödüller

 

ISTANBUL'UN ORTA YERI SINEMA - ORHAN VELI SIIR DINLETISI

 

 

elbe-express.info: duyuru (25.01.17)

 

Hamburg ve çevresi Atatürkçü Düşünce Derneği(HADD) ve Tiyatro İstasyon usta gazeteci Uğur Mumcu’yu 28 Ocak Cumartesi saat 19:00’da TGH’da anacak.

 

 

(...) “Türk dili, dünyada en güzel, en zengin ve en kolay olabilecek bir dildir. Türk dili, Türk milleti için kutsal bir hazinedir” sözleriyle dil devriminin Türk milletinin çağdaşlığa geçiş sürecindeki toplumsal önemini vurgulayan Mustafa Kemal Atatürk, özellikle okuma yazmanın yaygınlaşmasını hedeflemekteydi.

Cumhuriyetin ilk yıllarından itibaren, Türk harfleriyle, güzel dilimiz Türkçeyi, duru, temiz bir dille yazan, söyleyen büyük şairlerin ve yazarların ortaya çıkması, dil devriminin çok kısa bir sürede başarılı olmasının da bir belgesi sayılır.

Atatürk’ün devrimci izinde ilerleyen ve ses bayrağımıza sahip çıkan büyük şairlerimizden birisi de kuşkusuz Orhan Veli’dir. Ünlü şairimizin “İstanbul’u Dinliyorum”, “Vesikalı Yarım”, “Macera”, “Ayrılık” ve “Anlatamıyorum”. gibi eserlerini siz üyelerimize dinletmek, unutulmaz bir kültür akşamı yaşatmak istiyoruz.

Türkçe’yi genç kuşaklara taşıma amacıyla biraraya gelen ve 30 yıldır çeşitli tiyatro oyunlarını Avrupa’da başarıyla sergileyen, Türk kültürüne önemli katkılar sağlayan “İstasyon Tiyatro İletişim”, “İstanbul’un Orta Yeri Sinema” adli oyunlarıyla yurttaşlarımızla buluşacak, Orhan Veli Kanık’ın en güzel şiirlerini farklı bir yorumla okuyarak, müzik eşliğinde sahneye taşıyacak."

 

 

egazete.net: (...) Frankfurt’ta gözler kapalı Orhan Veli şiirleri dinlendi. Hessen Atatürkçü Düşünce Derneği’nin (HeADD) Frankfurt Gallus Saalbau salonunda düzenlediği şiir, tiyatro etkinliğinde tasarım ve yönetimini Serap Sadak’ın yaptığı “İstanbul’un Orta Yeri Sinema, Orhan Veli Şiirleri’ dinletisi büyük beğeni kazandı.  Etkinlikte İstasyon Tiyatro İletişim, sahne aldı. İstasyon Tiyatro İletişim,  Orhan Veli şiirleri, müzik ve slayttan oluşan gösterisiyle dinleyicileri İstanbul yolculuğuna çıkardı.

 

http://www.egazete.de/frankfurtta-gozler-kapali-orhan-veli-siirleri/

 

Avrupa Postasi: (...) Orhan Veli şiirleri dinletisine yoğun ilgi - Hamburg İstasyon Tiyatro İletişim'in “İstanbul'un orta yeri sinema” adlı Orhan Veli şiirleri dinletisi yoğun ilgi buldu. (...) Etkinliğin sonunda ekip uzun süre alkışlandı. Mustafa Kemal Adatepe, Zeynep Schipper-Çetin ve Olgay Sadak'ın da yoğun katkılarıyla gerçekleşen etkinlik 29 Ocak 2016 Cuma günü saat 20.30'da tekrar şiirseverlerle buluşacak.

http://www.avrupa-postasi.com/kultur/orhan-veli-siirleri-dinletisine-yogun-ilgi-h97786.html

 

Türkses: (...) TECRÜBELİ OYUNCULAR İstasyon Tiyatro İletişim 25 yılını geride bırakan ve oldukça başarılı ve tecrübeli oyunculardan oluyor. Daha önce çeşitli tiyatro oyunlarını başarıyla sergileyen ekip, bu kez izleyenlerin karşısına şiirlerle çıktı ve eski İstanbul giysileriyle adeta göz kamaştırdı. Etkinliğin sonunda ekip uzun süre alkışlandı. Mustafa Kemal Adatepe, Zeynep Schipper-Çetin ve Olgay Sadak’ın da yoğun katkılarıyla gerçekleşen etkinlik 29 Ocak 2016 Cuma günü saat 20.30’da tekrar şiirseverlerle buluştu.

 

http://turkses.de/istanbulun-orta-yeri-sinema/

 

AnilarFM: (...) Serap Sadak’ın tasarlayıp ve yönettiği etkinlikte Aysun Siuda, Burcu Özdirik, Caner Şakar, Fatma Kurt, Hakan Baysalman, Hanife Klein, Mahmut Erdinlig, Nazmiye Acar, Serap Sadak, M. Serdar Temur, Sultan Molu “Vesikalı yarim”, “Macera”, “Ayrılık”, “Anlatamıyorum”, “Dedikodu” gibi şiirlerin sunumunu yaparak izleyenlere adeta İstanbul’u yaşattılar.

 

http://www.anilarfm.de/?p=3253

 

 

BU ANLAMLI GÜNDE

An diesem bedeutsamen Tag

bu anlamli günde, tiyatro istasyon hamburg, 2015 Statistiken und Umfrageergebnisse nimmt man zur Kenntnis, empört sich vielleicht kurz – und vergisst sie wieder … Klischeevorstellungen, allemal wenn es um das Thema Geschlechterbeziehungen geht, sind kein Aufreger und eher langweilig, weil ja doch nicht zu ändern … Es sei denn, man macht ein flottes Theaterstück daraus. Das unternahm die Istanbuler Theaterfrau Zeynep Kaçar mit ihrem Stück bu anlamlı günde (an diesem bedeutsamen Tag), das kürzlich in Hamburg die türkischsprachige Theatergruppe İstasyon Tiyatro İletişim, die jüngst ihr 25-jähriges Bestehen feierte, als neues Stück in der Regie von Serap Sadak auf die Bühne brachte. Die Komödie mutet fast als Tragödie an, zeichnet sie doch den Status-Quo der Gender-Verhältnisse nicht nur aber vor allem in der Türkei und damit auch einem guten Teil der Türkei-stämmigen Community in Deutschland nur allzu realistisch nach.

 

Zwei TV-SprecherInnen bilden den Rahmen mit Nachrichten, die schon auf das Thema des Abends hinweisen, und einer Statistik, die in den darauf folgenden Szenen amüsant bis hintergründig zum Leben erweckt wird. Mit dem Thema unmittelbar verknüpfte, so sorgfältig wie liebevoll inszenierte Reklamesketche trennen die einzelnen Szenen voneinander. Nur sieben SchauspielerInnen stellen insgesamt 23 Personen dar, eine Glanzleistung, denn es gelingt allen, innerhalb weniger Minuten in völlig unterschiedliche Rollen zu schlüpfen und die Charaktere überzeugend vorzuführen. Ein so schlicht wie effektiv gestaltetes Bühnenbild unterstützt mit jeweils wenigen Handgriffen Umbau die unterschiedlichen Szenerien.

Der Studie der Gesellschaft für türkische Kriterien zufolge, so verkünden die SprecherInnen (seriös verkörpert von Burcu Özdirik und Caner Şakar), denken türkische Männer, ein Mann solle Erfahrungen vor der Ehe gesammelt haben, die Frau, die er heiratet, müsse jedoch Jungfrau sein. Zwei von drei Männern gingen während der Ehe fremd. Türkische Frauen dagegen wollten einen Mann mit Erfahrung heiraten, fänden es aber richtig, dass die Frau als Jungfrau in die Ehe geht. Männer fürchten, die Ehre ihrer Frauen könnte befleckt werden, Frauen fürchten dies ebenfalls – und ihre Lieblings-TV-Serie zu verpassen. Für eine türkische Frau sei eine außereheliche Beziehung undenkbar.*

Nach der ersten Werbeeinlage wird die Meldung des Tages angerissen: Eklat und gewalttätige Ausschreitungen auf einer Hochzeitsfeier! Details werden für später angekündigt. Nun beginnt der Reigen an dieser Hochzeitsfeier beteiligter Paare, ausgespart bleibt nur das Pärchen, das an diesem Abend heiratet. Albay Şefik (Murat İlkbahar) eşi Şükran (Nazmiye Acar)

Oberst Şefik (Murat İlkbahar, mit einem gelungenen Auftritt aus der  türkischen Kunstmusik zum Auftakt) und Gattin Şükran (Nazmiye Acar in der ersten von sechs Rollen in diesem Stück), gutsituiert, er kemalistisch, bodenständig, patriotisch deklamierend, sie ewig beim Aufputzen als überkandidelte Society-Lady im Mini, das nicht mehr so recht zu ihrem Alter passen will, sind die Brauteltern. Beiden ist nicht recht geheuer, dass Tochter Ülkü ausgerechnet den Sohn einer frommen Familie ehelichen will, nicht einmal Alkohol soll es auf der Feier geben. Man hofft, die Schwiegerfamilie nach der Hochzeit erst im Krankenhaus bei der Geburt des ersten Kindes, selbstverständlich ein Sohn, wiederzusehen, beschließt aber, gute Miene zu machen.

Hacı Gıyasettin (Eyüp Dohman) Eltern des Bräutigams sind Hacı Gıyasettin (wunderbar in seinem  lasischen Akzent und Gehabe von Eyüp Dohman gespielt) mit Gattin Hacer (die nächste Meisterrolle für Nazmiye Acar), deren ganzer Stolz ihr Prachtsohn ist, den ja immerhin „sie gemacht“ habe. Auch ihnen behagt die Schwiegerfamilie gar nicht, immerhin findet der Vater die Braut sehr hübsch, das Heft in der Familie hat eindeutig die Ehefrau in der Hand. Das Ehepaar ist nicht etwa als strenggläubig, freudlos-fromm dargestellt, sein gesellschaftlicher Status und Habitus passt absolut zur Familie des Oberst – nur tritt hier eben nicht die republikanische Seite, sondern die neue muslimische Society auf.

Neben den Brauteltern sind die Trauzeugen eingeladen, ein älteres Professorenpaar (Caner Şakar und Aysun Siuda), bewusst klamaukhaft überzeichnet. Weiter der Hauswart Mahmut mit Frau aus dem Haus des Oberst (in ihrer Biederkeit überzeugend dargestellt von Murat İlkbahar und Burcu Özdirik), der die Hochzeitseinladung lange gar nicht ernst nimmt, er will Fußball gucken und fordert die Frau auf, das Geschrei des achten Kindes abzustellen. Sie brüllt nach der älteren Tochter, um diese Aufgabe zu delegieren, während sie die von der Hausherrin für diesen Anlass überlassenen Kleidungsstücke begutachtet, um zumindest annähernd präsentabel zu erscheinen. So nimmt sie auch dem nörgelnden Gatten sein letztes Argument, als sie ihm ein schmuckes Jackett übeKapıcı Mahmut (Murat İlkbahar) ve karısı (Burcu Özdirik)rhängt, das ihm in seinem Hausmeisterstolz doch sehr schmeichelt.  Schließlich sind da noch die Freunde der Braut, Ayberk (Caner Şakar) und Çisilsu (Aysun Siuda), wiederum bewusst übertrieben als trinkendes, kiffendes Paar oder auch Nicht-Paar präsentiert, er bereits sturzbetrunken, sie schrill als Knallbonbon aufgemacht, auch hier stellt sich die Frage, was man(n) bloß anziehen soll. Hier kippt das Stück gewissermaßen, der Zuschauer fragt sich, was das wohl für ein Brautpaar sein mag …

Nach der letzten Werbeunterbrechung – ein fast gediegen daherkommender Sketch über die Finanzierung der nötigen Wohnungseinrichtung für ein junges Ehepaar (sympathisch gespielt wiederum von Murat İlkbahar und Nazmiye Acar) – verkünden erneut die Nachrichtensprecher, was nun auf der Hochzeitsfeier, auf die sämtliche Szenen fokussierten, geschah: Ein Hochzeitsgast machte einem der Ehepartner kurz nach der Trauung eine Liebeserklärung, woraufhin die notdürftig unter Kontrolle gehaltenen Differenzen ausbrechen, schließlich drei Männer Waffen ziehen und es eine Reihe von Verletzten gibt. Denn Tarcan, jener ominöse Gast, erklärte nicht der Braut seine Liebe, sondern dem Bräutigam. Ein Homo! Skandal! Daraufhin meldet Tarcan sich unverzüglich telefonisch in der Live-Sendung – er taucht also auf der Bühne auf (der große Auftritt von Murat Büyükalp) – und erklärt, wie alles „wirklich“ war, vor allem mokiert er sich über die Diffamierung, besteht auf der Bezeichnung „Gay“ statt „Homo“ und konterkariert mit seinem selbstbewussten Bericht das seriöse Gehabe der Nachrichtensprecher, die sich, stellvertretend für die „normale“ Gesellschaft, empören, es sich auf ihren stereotypen Moralvorstellungen bequem machen, aber in ihren Fragen zugleich die voyeuristische Lust des Publikums, also der Gesellschaft, spiegeln. Damit ist auch der Einfluss der Medien auf die in der Bevölkerung herrschenden Klischees kritisch angerissen.

Zwei Elemente durchziehen alle Paardarstellungen und zeigen, wie ähnlich sich die Menschen sind, auch wenn sie in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen leben: eine Fernsehsendung – Fußballmatch, Talkshow, Seifenoper-Serie – ist ihnen wichtiger als die anstehende Hochzeit, zu der offenbar niemand wirklich gern geht, auch wenn am Ende alle froh gewesen sein dürften, den Skandal live miterlebt zu haben. Zweitens werden durch die Bank alle Frauen, die sich für die Feier leicht bis übermäßig zurechtmachen, für ihren Lippenstiftauftrag kritisiert. In allen Konstellationen, auch in den Werbeeinlagen, sind es die Frauen, die sich bemühen, die Männer bei Laune zu halten und sich letztlich gezwungen sehen, nach deren Pfeife zu tanzen, so abstrus auch deren Vorstellungen sein mögen.

Regisseurin Serap Sadak sieht in der Inszenierung vor allem Kapitalismuskritik und die „Hoffnung auf eine Welt, in der jegliche Lebensanschauungen frei nebeneinander existieren können, ohne Gewalt, insbesondere gegen Frauen“ (Handzettel zur Aufführung). Manche/r im Publikum dürfte sich und/oder sein Umfeld in der ein oder anderen Figur wiedererkennen,

Vielleicht regt dieser Spiegel doch den einen oder die andere dazu an, Sadaks Postulat, mehr selber zu denken und sich nicht von Medien und gesellschaftlichen Vorurteilen und Klischees „verwirren“ zu lassen, in die eigene Lebenswelt zu integrieren – und damit diese Welt ein Stückchen besser zu machen.

Weitere Aufführungen sind für November 2015 geplant.

© Szenenfotos aus den Proben: İstasyon Tiyatro İletişim 2015

 

Gazete Hamburg 04.05.2015 ("Bu Anlamli Günde")

http://www.gazetehamburg.com/haber/-hem-dusundurdu--hem-guldurdu-/

 

Gazete Hamburg 22.01.2014 ("Istasyon Tiyatro Iletisim 25 yasinda")

http://www.gazetehamburg.com/haber/istasyon-tiyatro-25-yilini-kutluyor/

 

Post Gazetesi 13.05.2013 ("Kutu Kutu")

 

Türkiye Gazetesi, 13.04.2013 ("Kutu Kutu")

 

 

Sabah Gazetesi 04.2013 ("Kutu Kutu")

http://sabah.de/kutu-kutu-oyunu-ayakta-alkislandi/

 

 

Kutu Kutu  - "Geister Aus Der Kiste"

http://angeschwemmt.wordpress.com/2013/04/15/kutu-kutu-tiyatro-istasyon/

Kutu Kutu, Tiyatro Istasyon Ein Großstadtpark. Zu Ravels Bolero betreten vier Frauen und ein Mann die Bühne, erstarren zum Standbild. „Die Menschen waren versteinert, die Statuen aber zum Leben erwacht“, berichtet Nergis, das Mädchen in der roten Kiste, später von ihrem Traum. Kutu Kutu (Allerlei Kisten), das neue Stück der türkischsprachigen Hamburger Theatergruppe Istasyon Tiyatro Iletisim spielt in einem Park mit hypermodernen Plastiken, ein Vorzeigeprojekt, ein „Lebens- und Kommunikationsraum“ (laut Flyer), eine Allegorie auf die soziopolitischen Verhältnisse in der Türkei. Autor Memet Baydur (1951-2001) scheint mit seinem Stück von 1994 das Heute vorausgeahnt zu haben.

Ein Glücksgriff: Personelle Gründe im Ensemble ließen aus Baydurs Clochard Tahir eine Dame werden, Tahire, ebenso charmant wie gekonnt gespielt von Nazmiye Acar. Mehr blitzgescheite, redegewandte Philosophin als bedauernswerte Obdachlose, verkörpert sie mit bissigem Humor und Ironie, mit Gesang und Poesie die Lebensweisheit der Straße, das Gewissen und Gedächtnis der Gesellschaft. Immer wieder berichtet sie von Düşkent (Traumstadt) als einer lebenswerten Utopie, die zu Beginn des Stücks fast möglich scheint – solange die vier Frauen im Parkprojekt vereint sind: Tahire, Stadtplanerin Ayşe (Fatma Kurt), die als Clou der Hypermoderne einige Plastiken – Kisten – bewohnen lässt und in gewagtem Outfit Abend für Abend die Skulpturen im Park persönlich inspiziert, Nergis (Özlem Özçep/Burcu Özdirik), die 20-jährige Ausreißerin und Bewohnerin der zentralen roten Kiste, und Canan (Hanife Klein), eine vom Leben und Lieben enttäuschte Singlefrau, die über Schlaflosigkeit klagt und unversehens zu den Parkbewohnerinnen ins Boot steigt. Gemeinsam verspotten sie Banker Murat, der sein entlaufenes Hündchen Fifi sucht und Allgemeinplätze bürgerlicher Moral von sich gibt, als deren Verkörperung er auftritt: „In diesem Land sind die Schrauben locker.“ Er mokiert sich über Ayşe, seine Ex-Verlobte, die nun als emanzipierte Stadtplanerin in der Kommune Karriere macht. „Du musst doch nicht arbeiten“, erinnert er sie. „Arbeitest du nur, weil du es musst?“, fragt sie zurück.

Ayşe ist die moderne Frau, die Karriere machen, selbstbestimmt leben und doch ganz Frau sein will. Ein Spagat, von dem viele Frauen in modernen Gesellschaften ein Lied singen können. Als die Zeiten sich wandeln und aus dem lächerlichen Banker mit Wohnsitz im Hotel Mama ihr Vorgesetzter wird, mittlerweile zum ambitionierten urbanen Muslim mutiert, vollzieht sie, wenn auch zunächst widerstrebend, den Wandel mit, um ihren Job nicht zu verlieren. Aber heiratet man deshalb einen Mann, den man aus Kutu Kutu (Szenenfoto v. M. Kemal Adatepe)tiefstem Herzen verachtet?

Der neue Bürgermeister setzt im Zuge seiner wertekonservativen Wende ein neues Parkkonzept ein, das Murat als frisch installierter Berater und Oberinspektor des Projektes „Skulpturen und Zirkusse“ umzusetzen hat. Was auf den ersten Blick den Anschein einer notwendigen Initiative hat, denn der Park ist augenscheinlich heruntergekommen, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Kontroll- und Nivellierungsprojekt: Keine Skulpturen mehr, keine Bewohnerinnen, weder offizielle Kistenbesetzerinnen noch Obdachlose, keine Hunde. Murat muss dringend Fifi loswerden, das Hündchen hat er umbenannt in Ketzer, er lässt es im Park zurück, doch Hausfrau Canan nimmt es fürsorglich auf. Das Schicksal des Hundes und ihr eigenes kümmern sie mehr als die Parksäuberungsaktion. Die gewitzte wetterwendische Ayşe riecht, woher der Wind weht und rettet „ihren“ Murat aus beschämenden Diskussionen mit den Parkbewohnerinnen, rasch hat sie die Seite gewechselt. Der Mann ist so lächerlich als wie zuvor, überzeugend überzogen von Murat Büyükalp gespielt.

Am Ende fegen Nergis aus der Kiste und die obdachlose Parkpoetin Tahire in Stadtreinigungskluft den Park. Nun trinkt Tahire den Rum tatsächlich, dessen Konsums sie seit je bezichtigt worden war. „Was für ein Unding!“, klagt Nergis. Doch Tahire urteilt: „Das hier sind kleine Dinge. Das Herz des eigentlichen Übels liegt anderswo.“ Gibt es so etwas wie das Herz des Übels? Wenn ja, wo? Die Frage richtet sich ins Publikum. Die Szene gerinnt zum Standbild, die Klammer zur Eingangsszene schließt sich.

Ein ebenso schlicht gehaltenes wie eindrucksvolles Bühnenbild – mit Metropolsilhouette, Parkbank, Laterne, einer Skulptur und besagten Kisten – und ein durchdachtes Musikkonzept mit Zitaten aus Klassik, Pop, türkischer Kunst- wie auch Arabeskmusik runden die gelungene Aufführung ab. Baydurs Vorlage ist mit Sprachwitz gespickt, Regisseurin Serap Sadak setzt mit Bezügen zur türkischen Tagespolitik Akzente, Pointe folgt auf Pointe, manchmal im Stakkato. Die Laien-SchauspielerInnen meistern das Sprachfeuerwerk bravourös, eine Herausforderung ist es aber auch für das Publikum. Im Stammhaus von Tiyatro İstasyon, der Türkischen Gemeinde Hamburg, applaudiert das Publikum im ausverkauften Saal begeistert. Die Zustimmung gilt der famosen Leistung der Theatertruppe, nicht minder aber auch dem Tenor des Dramas, dem hier herrschenden Konsens über Islamisierung als Gefahr.

Tiyatro İstasyon spielt ausschließlich auf Türkisch, hat aber auch bereits gute Erfahrungen mit deutscher Unter- bzw. Übertitelung gemacht. So zuletzt mit "Sınır" (Die Grenze, 2011). Auch Kutu Kutu soll diesen Weg gehen, um für ein breiteres Publikum tauglich zu werden. Hier ist zwar Islamisierung angeprangert, letztlich aber geht es um die Warnung vor jeder Art von gleichmacherischem, repressivem Regime, bei dem die Ideologie und nicht der Mensch im Vordergrund steht.

Aktuelle weitere Termine: 27.04. und 04.05., jeweils um 20 Uhr, TGH, Haus 7, Hospitalstraße, Hamburg-Altona.

(Szenenfoto © M. Kemal Adatepe/Tiyatro Istasyon)

 

 

Mimesis Online Gazetesi, 2011 ("Serap ve Olgay Sadak")

 

http://mimesis-dergi.org/2011/02/hamburgda-gocmen-tiyatrosu-istasyon-tiyatro/

 

 ("Istasyon Tiyatro - Ein Theater in Hamburg")

http://www.alem.de/index.php?id=istasyon-tiyatro